Kategorien Zurück zur Startseite

„Wir wollen wissen, wo die Dinge herkommen“, das ist eines der Prinzipien des verantwortungsvollen Konsums. Seit beinahe all unsere Abfälle recycelt werden können, sollte man hinzufügen: „Wir wollen wissen, wo die Dinge hingehen.“ Konsumenten wollen sich im Klaren sein, wo ihre ausrangierten und weggeworfenen Sachen landen und wie mit ihnen verfahren wird. Wir möchten Ihnen deshalb heute einmal zeigen, wo die Kleinelektrogeräte hinkommen, die Privatkunden und viele Händler und Hersteller mit ELECTRORETURN verschicken.

Weggeworfen, aber nicht nutzlos: alte Handys bei ALBA R-plus.

Recyclingpartner der Deutschen Post ist die ALBA Group. Deren Elektronikspezialistin, die ALBA R-plus GmbH , ist im Rahmen von ELECTRORETURN zuständig für das Recycling. Wer im Internet eine Versandmarke für ELECTRORETURN herunterlädt,kann sicher sein, dass die alten Elektrogeräte, die er so verschickt, im südpfälzischen Lustadt ankommen. Inmitten ländlicher Idylle steht eine Recyclinganlage für Elektroschrott. Hier werden große und kleine Elektrogeräte so in ihre Einzelteile zerlegt, dass die Materialien, aus denen sie bestehen, gut weiterverarbeitet werden können.

Es ist nicht alles Gold.

„Etwa 40.000 Tonnen Kleinelektroschrott im Jahr laufen durch die Anlage“, sagt Manfred Fahrner, Vertriebsleiter der ALBA R-plus. Nur ein kleiner Prozentsatz davon sind alte Handys, auch Bügeleisen, Toaster und andere Haushaltsgeräte werden unter anderem hier zerlegt. Die Dichte der wertvollen Rohstoffe ist dabei nicht so groß wie bei Mobiltelefonen, aber Recycling ist kein Wunschkonzert. Was reinkommt, wird verarbeitet. Das Ziel ist schließlich, so viel wie möglich zu verwerten – aus ökonomischen, wie aus ökologischen Gründen – das gilt nicht nur fürs Handy-Recycling. Und während alle über wertvolle Metalle reden, redet Manfred Fahrner erst einmal über Kunststoff. Im Schnitt besteht etwa die Hälfte eines kleinen Geräts aus Kunststoff unterschiedlichster Art. Er muss von den Metallen getrennt und nach Wertigkeit sortiert werden. Das ist, so kann man von Herrn Fahrner lernen, ein ganz wesentlicher Teil des Prozesses, der dank moderner Technik immer gründlicher und effektiver wird.

Je heller, desto besser: so sehen giftarme Kunststoffe aus.

Eine Mine in der Halle.

Trotzdem: richtig spannend wird es, wenn es um Metalle geht. Denn anders als bei Kunststoffen gibt es hier kein Downcycling, die Qualität der Metalle reduziert sich beim Recycling nicht. „Für eine Tonne Metall braucht man im Schnitt 200 Tonnen Erz“, sagt Manfred Fahrner. „Eine Tonne Kupfer kann man dagegen schon aus 10 Tonnen Schrott bekommen“. Das ist nicht nur effizient, es schont auch die Umwelt, wie Fahrner erklärt. „Metalle haben einen unterschiedlich großen ökologischen Fußabdruck. Leider ist der gerade bei Edelmetallen ziemlich groß.“  Aber wie kommt man nun an all diese verbauten Wertstoffe heran?

Abfall war gestern: Manfred Fahrner von ALBA R-plus spricht von Wertstoffen.

Handy-Recycling lohnt sich: Handyplatinen sind oft mit korrosionsbeständigem Gold beschichtet.

Think small.

Der Aufbereitungsprozess lässt sich etwas vereinfacht in drei Stufen erklären: Manuelles Sortieren, maschinelles Zerkleinern, Sieben. Das Zerkleinern und Sieben wird mehrfach wiederholt. Dazu kommen unterschiedliche Techniken zum Einsatz.

Mal trennt ein Luftstrom Materialien mit unterschiedlichem Gewicht, mal hilft ein Magnetabscheider oder Elektrostatik die Materialen zu separieren. Von Stufe zu Stufe werden die Teile kleiner, je nach Ausgangsmaterial bleiben kleinste Kügelchen übrig. Platinen von alten Handys etwa werden nicht so stark zerkleinert, damit kein Edelmetall verloren geht.

Handarbeit: Ohne manuelles Trennen geht es im Recyclingprozess nicht.

Am Ende bilden sich riesige Haufen der verschiedenen Kunststoff-Qualitäten, von Eisen, von Aluminium und von Kupfer bzw. einem Metallgemisch, in dem sich unter anderem Kupfer, Zinn, Zink, Gold und Silber verbergen. Jede der so genannten Fraktionen wird von Lustadt aus an die entsprechenden Werke und Hütten zur Weiterverarbeitung geliefert. Eine Kupferhütte kann durch die unterschiedlichen Schmelzpunkte der Metalle dann die Feinarbeit leisten.

Der Berg ruft: dieser Haufen gehört zum alten Eisen.

Hier regnet es Wertstoff: Kupfergemisch für die Kupferhütte.

Geht es noch besser?

Das Kreislaufwirtschaftsgesetz sieht in der Abfallhierarchie eine Stufe, die noch vor dem Recycling kommt: die Vorbereitung zur Wiederverwendung. Wäre es nicht umweltfreundlicher, noch funktionstüchtige alte Handys weiter zu verkaufen statt auf Handy-Recycling zu setzen? Wir haben uns hier im Blog  schon einmal mit dem Thema beschäftigt und jetzt auch Manfred Fahrner dazu befragt. Für ihn ist der Weiterverkauf eine zweischneidige Sache. „Handys, die verkauft werden, landen in der Regel in Schwellenländern. Nach einer eher kurzen Betriebsdauer steht man dort erneut vor der Entsorgungsfrage. Und dann greifen weder unsere rechtlichen Bestimmungen, noch gibt es dort eine vergleichbare Recyclinginfrastruktur oder -technik. Im Grunde hat man ein Problem verlagert – und am Ende eine ökologisch unbefriedigende Lösung gewählt.“ Auf die wichtige Frage „Wo kommen die Dinge hin und was passiert mit ihnen?“ kann man dann, anders als im Fall der ALBA R-plus GmbH, jedenfalls keine gesicherte Antwort mehr geben.

Kommentare (3)


Ihnen hat dieser Beitrag gefallen? Sagen Sie es weiter!

 


Möchten Sie die Kommentare zu diesem Artikel verfolgen? Hier geht es zum Abo!

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *